Prachtfassade statt Flickenteppich

Zwei Jahre lang wurde die stark angegriffene Putzfassade des Bezirksamts Hamburg-Bergedorf saniert. Dabei wich der arabeske Altanstrich dem historischen Bordeauxfarbton.

Der reiche Kaufmann Hermann Friedrich Messtorff erbaute 1898/99 das neoklassizistische Gebäude und nutzte es als Wohnhaus. In den Jahren 1925-1927 wurde das Gebäude zum Rathaus umgebaut und später um einen Anbau erweitert. Der ockerfarbene Anstrich war für norddeutsche Fassaden eher untypisch.

4000 m2 umfasst die minerali­sch verputzte Fassade des geschichtsträchtigen Gebäudes, das über viele Jahre nicht sonderlich repräsentativ wirkte, da sich an etlichen Stellen der Altanstrich vom Putzuntergrund gelöst und bereits begonnen hatte, großflächig abzublättern. Auch diverse Risse und schadhafte Fugen waren kaum zu übersehen. Zahlreiche Ausbesserungsversuche hatten aus der einstigen Prachtfassade einen Flickenteppich gemacht. 

Ursprünglich sollte der gesamte Farbaufbau zunächst abgebeizt werden, anschließend die Fläche saniert und mit einem Ockergelb erneut gestrichen werden.

Da die Beschaffenheit des Untergrunds uneinheitlich und alle paar Zentimeter anders war, entschloss man sich in enger Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz zu einer pragmatischen Vorgehensweise: Zunächst wurden auf der gereinigten Altfassade mehrere Musterflächen angelegt, um die Verträglichkeit von Beschichtung und Untergrund zu testen. Im Mai 2012 stellte die Denkmalschutzbehörde den Sanierungsansatz in Frage. War man bisher von einem Dispersions- oder Siliconharzanstrich ausgegangen, forderte das Denkmalschutzamt nun ein mineralisches System. Die zu Putzstellen, die ergänzt werden musste, sollten zudem in Materialart und Struktur dem Original entsprechen. Der ursprüngliche Kunststeinputz war an Fenstergewänden, Sockel und Gesimsen noch vorhanden. Dieser sollte steinsichtig bleiben und nicht beschichtet werden. Das Denkmalschutzamt favorisierte zudem den originalen Rot-Ocker-Farbton.

Im September 2012 fiel dann die endgültige Entscheidung für „Kieselit-Fusion“ – nun in dem historischen Farbton Bordeaux 40 aus der Alligator Farbkollektion 5000plus. Ein Seitenflügel und die Rückseite des Rathauses wurden damit noch im Herbst gestrichen. Nach der Winterpause wurden die Malerarbeiten im Frühling 2013 an der Frontseite des Gebäudes sowie am Turm fortgesetzt.

Bis zur endgültigen Fertigstellung sollte jedoch noch ein weiteres Jahr vergehen, denn der Altputz des Turms erwies sich während des Beschichtens als nicht mehr tragfähig und musste komplett abgezogen werden. Fachgerecht wurde ein mineralisches Alligator-Putzsystem mit extra grober Körnung auf dem vorbereiteten Untergrund aufgebracht. Genau wie die bereits sanierten Putzflächen wurde im Farbton Bordeaux 40 gestrichen. Anschließend folgte eine Lasurbeschichtung mit Kieselit-Lasur im Farbton Bordeaux 35.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 1-2/2022

Fassaden-Restaurierung eines Geschäftshauses in Minden mit mineralischen Produkten von Alligator

Sogar an der schönsten Fassade nagt über kurz oder lang der Zahn der Zeit: So auch an einem mehr als hundert Jahre alten Wohn- und Geschäftsgebäude im ostwestfälischen Minden, das 1903 als...

mehr
Ausgabe 10/2018

Instandsetzung der Sichtbeton-Fassade der Steigkirche in Bad Cannstatt

Die sanierte Sichtbeton-Fassade der Steigkirche

Die 1966 erbaute Steigkirche besitzt eine Sichtbeton-Fassade mit Brettschalstruktur, die für Kirchengebäude eher ungewöhnlich ist. Aufgrund der vielen zwischenzeitlich entstandenen...

mehr
Ausgabe 11/2019

Altes Gerichtsgebäude im Andreas Quartier in Düsseldorf restauriert

Zusammenspiel von dunkelblauem Anstrich mit steinimitierend gestalteten W?nden

Inmitten der Düsseldorfer Altstadt ist rund um das ehemalige Amts- und Landgericht ein neues Viertel entstanden: das Andreas Quartier. Den Ausgangspunkt zu diesem Quartier bildet das neobarocke...

mehr

Dorfgemeinschaft Zukunft Kirchberg saniert das alte Bahnwartehäuschen „Königshütte“

Mit vereinten Kr?ften: Erst muss der alte Lack ab, bevor neu gestrichen werden kann

34 Jahre ist es her, dass das Bahnhäuschen in Kirchberg einen professionellen Anstrich bekam. Seither kümmerte sich niemand mehr um die kleine Königshütte. „Gras und Unkraut konnten sich...

mehr
Ausgabe 03/2011

Spielerisch inszenierte Fassade

In der Sandstraße in Mülheim an der Ruhr macht seit dem vergangenen Jahr ein viergeschossiger Bau aus den 1960er Jahren auf sich aufmerksam – dank umfassender Modernisierung und außergewöhnlicher...

mehr